Mo. Dez 6th, 2021

Dortmund (ots)

Im September 2020 ging die Eventbranche auf die Straße, um bei der ersten Großdemonstration der Initiative “Alarmstufe Rot” auf die Notlage der Eventwirtschaft aufmerksam zu machen. Tausende Unternehmen und etwa 1,5 Millionen Menschen waren von der Stilllegung einer ganzen Industrie betroffen, die normalerweise rund 130 Milliarden Euro Umsatz im Jahr macht. Prof. Dr. Bernd Schabbing ist Hochschullehrer für Tourismus- und Eventwirtschaft an der International School of Management (ISM) und Sprecher des “Qualitätszirkel Veranstaltungs- und Eventstudium” (QZVE). Er zieht Bilanz nach den harten Einschnitten für die Branche und gibt einen Ausblick, welche Veränderungen für die Veranstaltungswirtschaft anstehen.

Mit der “Night of Light”, den Demonstrationen unter dem Motto “Alarmstufe Rot” und einer großen Studie zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Veranstaltungswirtschaft hatte die Branche 2020 einen Versuch gestartet, politisch Verantwortliche auf die extreme Situation der Eventbranche aufmerksam zu machen und Sofortmaßnahmen zu erreichen. Doch die Hilfen kamen zögerlich und aus Sicht der Branche unzureichend. Auch die Erlaubnis für Messen und Veranstaltungen blieb problematisch, wechselhaft und kurzfristig und damit oft unrentabel. “Die Studie, für die sich 2020 die Mehrheit der Verbände der Eventwirtschaft zusammengetan hatte, zeigt erstmals, wo in der Branche das Geld verdient wird und das sind mit 115 Milliarden Umsatz die wirtschaftsbezogenen oder MICE-Events wie Messen, Tagungen, aber auch Marketing-Events – sie machen den Löwenanteil der Branche aus”, so Prof. Dr. Bernd Schabbing, Co-Autor der Studie.

Entsprechend den in der Studie genannten Zahlen lässt sich das Ausmaß der Folgen der Pandemie und ihrer Bekämpfung ablesen: 2020 fanden von den geplanten 335 internationalen, nationalen und regionalen Messen nur 114 statt. Nach Berechnungen des AUMA – Verband der deutschen Messewirtschaft sind Umsatzrückgänge von etwa 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2019 zu verzeichnen. Damit wurden auch nur etwa 6 und nicht wie sonst 28 Milliarden Euro an Wirtschaftsumsätzen angeregt.

Auch in anderen Veranstaltungsbereichen waren ähnlich starke Rückgänge zu verzeichnen. Betroffen waren nicht nur Messebauer, Eventagenturen oder Technik-Dienstleister, sondern auch benachbarte Branchen wie Tourismus und Verkehr. Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) bilanzierte einen Rückgang des “Geschäftsreisetourismus” von 81,7 Prozent gegenüber 2019. In diesem Jahr vor der Corona-Pandemie wurde die Rekordsumme von mehr als 55 Milliarden Euro für berufliche Mobilität ausgegeben. Noch stärker als die Ausgaben ist die Zahl der Geschäftsreisen zurückgegangen. Gab es 2019 noch rund 195 Millionen Business-Trips ins In- und Ausland, so waren es 2020 nur noch 32 Millionen Reisen.

Deutschland verliert seine Vorreiterrolle in der MICE-Branche

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Laura Jahn

Von Laura

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