Do. Okt 6th, 2022
Mit einem Lied geht alles besser

Bei den Zwergen
Es war ein schöner warmer Herbsttag und Nepomuck beschloss, einen Waldspaziergang zu machen. Der kleine Kobold liebte die Natur mit all ihren Bäumen, Blumen und Tieren. Überall standen Pilze und Nepomuck war froh, den kleinen Korb mit Blaubeerpasteten und selbstgemachter Limonade dabei zu haben. Flink ließ er sich auf einem Baumstumpf nieder und aß genüsslich schmatzend seinen Proviant bis auf den letzten Krümel auf. Dann trank er geräuschvoll seine Limonade aus der Flasche.
Ein Eichhörnchen kam vorbei und grinste frech: „Wohl bekommts!“
Nepomuck lachte und machte sich daran, die schönen braunen Pilze in seinen Korb zu sammeln, natürlich nahm er nur die kleinsten und selbst die waren noch fast zu groß für ihn.
Das Eichhörnchen half ihm und erzählte dabei die ganze Zeit von dem Wintervorrat, den es sich angelegt hatte. Keine Pilze, nein, aber Bucheckern, Eicheln und Nüsse.
Als Nepomuck endlich aufblickte, war er weit abgekommen von dem Weg, den er sonst ging. Der Wald kam ihm unbekannt vor.
Da hörte er ein lautes Jammern. Neugierig ging er der Stimme nach und sah ein kleines Männchen mit einer roten Zipfelmütze.
Der Zwerg erhob seine zornige Stimme und fuhr Nepomuck wütend an: „Was schaust du so dumm herum? Siehst du nicht, dass ich hier festhänge?!“
Nepomuck trat näher heran und sah, dass der Zwerg mit seinem langen weißen Bart in eine Kaninchenfalle geraten war und nicht mehr loskam.
„Moment!“
Zum Glück hatte Nepomuck immer sein scharfes Schnitzmesser dabei. Er stellte den Korb mit den Pilzen zu Boden und holte das Messer heraus. Schnipps! Ab war der Bart.
Der grimmige Zwerg fuhr sich mit der Hand über das Kinn und schrie außer sich vor Wut: „Was hast du getan? Mein schöner Bart, über lange Jahre gewachsen und mein ganzer Stolz … oje oje … was tu ich nur?“
Er sprang wie von einer Tarantel gestochen durch den Wald und das Eichhörnchen suchte schnell das Weite.
„Entschuldigen Sie, Herr Zwerg, aber ich wollte Sie nur befreien“, sagte Nepomuck zerknirscht.
„Du Nichtsnutz von einem Kobold!“, meckerte der Zwerg.
Jetzt wurden andere Stimmen laut und plötzlich wimmelte es von kleinen roten Zipfelmützen.
„Wo bleibst du denn Machbösemienezumgutenspiel?“
Der Zwerg berichtete mit mürrischer Miene. Die anderen Zwerge lachten, was seine Laune nicht gerade verbesserte.
„Wir können dich jetzt auch Dermitdemhalbenbart nennen“, kicherte einer von ihnen.
Nepomuck hatte inzwischen gezählt, es waren sieben Zwerge. Sie stellten sich vor und dem kleinen Kobold schwirrte der Kopf.
„Ich heiße Lachmichvomstuhl!“
„Und ich Schaumichschlau.“
„Stolperüberjedenstein.“
„Gebemeinensenfdazu.“
„Neunmalklug.“
„Und ich bin Habeinbrettvormkopf.“
Nachdem sich Nepomuck auch vorgestellt hatte, luden die Zwerge ihn in ihre Höhle ein. Die befand sich in einem großen Berg und wurde von Fackeln erhellt. Viele Zwerge liefen emsig mit Schubkarren hin und her. Andere werkelten an langen Holzbänken. Wieder andere schmiedeten und hämmerten an Metall. Nepomuck nahm einen schönen mit Edelsteinen besetzten Dolch in die Hand und bewunderte ihn ausgiebig.
„Na, da könnt ihr Kobolde wohl nicht mithalten, was? Ihr wisst ja gar nicht, was Arbeit ist und nervt nur alle mit euren Späßen, die nur ihr selbst versteht!“
Das kam natürlich von Machbösemienezumgutenspiel.
Nepomuck ärgerte sich: „Da irrst du dich aber gewaltig. Wir sind nicht so unnütz wie du denkst. Ich schnitze zum Beispiel Truhen und Schilder aus Holz. Es gibt sehr gute Handwerker unter uns. Allerdings sind wir nicht so miesepetrig wie du. Wir lachen und singen bei unserer Arbeit.“ Der Kobold sah sich um. „Warum seid ihr alle so ernst? Das macht doch keinen Spaß!“
Neunmalklug lachte laut auf: „Miesepeter ist auch ein guter Name für dich!“
Machbösemienezumgutenspiel sah noch mürrischer aus als zuvor, aber alle anderen begannen zu lachen.
„Was sollen wir denn singen?“, fragte Schaumichschlau.
„Wir haben unseren Koboldsong und der geht so:

Wir lachen und wir singen,
wenn wir durch die Wälder springen.
Der Mond weist uns die Richtung
und wir tanzen auf der Lichtung.
Mal sind wir hier, mal sind wir dort!
Dreht ihr euch um, dann sind wir fort!
Wir Kobolde sind winzig klein,
doch woll’n wir gar nicht anders sein!“

Die sonst so ernsten Zwerge klatschten begeistert in die Hände und sangen ausgelassen mit, alle bis auf Machbösemienezumgutenspiel, aber der wollte wohl nur seinen schönen Namen nicht verlieren.
„Habt ihr was zu essen da? Dann dichten wir gemeinsam ein Zwergenlied!“, rief Nepomuck vergnügt.
Und so kam es, dass ein kleiner Kobold das Leben der Zwerge veränderte. Wundert euch also nicht, wenn aus einer Höhle im Berg plötzlich ein Lied ertönt oder ihr einem singenden Zwerg im Wald begegnet. Mit Gesang und guter Laune geht auch den Zwergen die Arbeit besser von der Hand und die von ihnen gefertigten Schmuckstücke sind wirklich einzigartig.
(Aus dem Buch GESCHICHTEN AUS DEM REICH DER HEXEN, ELFEN UND KOBOLDE)

©byChristine Erdic

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Firmeninformation
Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
Mehr Infos unter Meine Bücher- und Koboldecke
https://christineerdic.jimdofree.com/
https://literatur-reisetipps.blogspot.com/

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